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Hier der versprochene Vorgeschmack von meinem neuen Buch: 

Drachenblut – Sarah Weßling

Kapitel 1

Er sollte der rechtmäßige Erbe sein. Er allein und niemand anderes. Nicht sein Bruder Zaymon, wie es der Fall war, und sonst auch niemand. Er war schließlich der älteste und stärkste. Er könnte seinen Bruder jederzeit in einem Zweikampf besiegen, dessen war er sich sicher. Aber die Tradition verlangt ihn. Einen Magier! Und er war der zweitjüngste! Also quasi das absolute Gegenteil von ihm.

„Wer hat sich das eigentlich ausgedacht?“, fragte Bazalath knurrend. „Ich könnte genauso gut herrschen, wie ein Magier oder wie Zaymon. Was soll diese verfluchte Sortierung von Fertigkeiten?“

Er weiß, was seine Mutter nun dazu sagen würde. Es handele sich um eine Tradition, die schon vor Urzeiten so gehandhabt wurde und er solle sich damit abfinden.

„Abfinden! Pah! Wie soll ich mich damit abfinden, dass mein nichtsnutziger Bruder alles bekommt, was mir eigentlich zusteht. Mir! Ich habe die nötigen Qualifikationen und was hat er? Ein paar seltsame Kräfte, die ihm doch nichts nützen.  Ich sollte Herrscher sein!“

Er fühlte wie sein Blut in Wallung geriet. Er zwang sich zur Ruhe, doch es war schon zu spät. Der Kristallsplitter in seinem Herzen machte sich nun wieder schmerzlich bemerkbar. Er fasste sich ans Herz und keuchte. „Dieser verdammte Splitter!“, presste Bazalath zwischen zusammen gebissenen Zähnen heraus. „Zaymon sollte ihn in sich tragen und nicht ich! Und wenn er es wäre, dann würde er nicht Herrscher werden. Soviel steht fest.“

Der Splitter – die Belohnung seines törichten Mutes. Damals hat es alles verändert. Wenn doch nur Zaymon diesen Splitter abbekommen hätte und nicht er!

Bazalath lachte leise und rauchig in sich hinein. „Ich bin ja selbst schuld. Es war schließlich meine Idee gewesen. Diese verdammte Mutprobe!“

Er beherrschte sich wieder und spürte wie das Glühen in seinem Herz langsam versiegte; der Kristallsplitter beruhigte sich. Doch trotz seiner Ruhe, brodelte das Feuer tief in ihm und stieg seine Kehle hinauf. Qualm quoll aus seinen sich aufblähenden Nüstern hervor. Nun stieß er ein gewaltiges Gebrüll aus, wobei er eine große Stichflamme aus seinem Maul spie. Er spürte augenblicklich die andere Seite der Macht des Kristalls, denn anstelle des schmerzenden Glühens, fühlte er nun eine treibende Kraft, die seinen Zorn untermalte, ihn sogar noch weiter förderte. Er holte mit seiner rechten Kralle weit aus und schlug auf den dicken Baum neben ihm, der schon einige Schläge hatte einstecken müssen und deshalb bereits stark beschädigt war, doch mit der Kraft des Kristalls hätte Bazalath selbst den gesunden Stamm eines viel älteren Baumes zertrümmern können. Seine Krallen bohrten sich tief ins Holz und durchdrangen es bis zur anderen Seite des Baumes. Bazalath zog schnell seine Kralle zurück, als der Baum zu kippen begann und mit lauten Krachen zu Boden ging. Die Krone des Baumes reichte bis zum Fluss, an dessen Ufer Bazalath sich befand und so bekam dieser einige Spritzer des flüssigen Eises ab, worauf er angewidert zurückwich. „Verdammtes flüssiges Eis!“, fauchte er, trat dann aber zögernd näher an das Ufer heran. Er betrachtete das Spiegelbild, das der Fluss ihm zeigte. „Obwohl mir diese Gestalt immer mehr zugesagt hat, als meine Menschengestalt, so ist sie dennoch nicht das Wahre auf die Dauer. Ich wäre gerne zur Abwechslung wieder ein Mensch“, sprach Bazalath leise zu seinem Spiegelbild. Er drehte den rotgeschuppten Kopf mit den zwei Elfenbeinhörnern darauf ein wenig zur Seite. Rote Augen, die fast rosa zu sein schienen, guckten ihm entgegen. Er zog seine großen Lippen zurück und fletschte die scharfen Zähne, die weiß strahlten. „Ein Mensch sein – nur damit ich wieder feststellen würde, was mir an dieser Gestalt wirklich liegt.“

Er starrte sein Ebenbild an und spürte abermals die Wut in sich aufsteigen. Er zog seinen Schwanz nach vorne und schlug trotz seiner großen Abneigung in das kühle Nass des Flusses, worauf sich sein Abbild wellenartig verzerrte. Äußerlich spürte er das Brennen des flüssigen Eises auf seinen Schwanzschuppen und innerlich glühte schmerzlich der Kristallsplitter auf. „So viele Jahre ist es her, seit ich den Kristallsplitter in mir trage und seitdem kann ich mich nicht mehr in einen Menschen verwandeln. Durchaus hat das seine Vorteile, denn ich altere langsamer und bin in dieser Form stärker als mein menschliches Abbild, doch sich nicht verwandeln zu können treibt die Wut an und mit der Wut meldet sich der Splitter. Zaymon und ich waren noch Kinder, als mir die Idee dieser dämlichen Mutprobe kam“, dachte Bazalath laut. „Er war so alt, wie es Ithilgore jetzt ist – etwa zwölf Jahre. Und Chyra hatte uns noch gewarnt, das weiß ich. Sie sagte uns, dass etwas Schlimmes passieren würde und wenn wir gehen würden, würde sie zu Mutter laufen und uns verpetzen.“ Bazalath lachte in sich hinein. „Sie hatte Recht, aber sie verhielt sich ziemlich kindlich für ihr Alter. Ihre Menschengestalt war damals etwa achtzehn Jahre und meine einundzwanzig. Und nun weiß ich nicht einmal mehr, wie alt meine Menschengestalt wird außer ich rechne die drei Jahre zu Chyras Alter hinzu.“ Er überlegte kurz und schritt dabei langsam in Richtung Schloss zurück. „Acht Jahre habe ich nun schon dieses Aussehen und nur dieses. Meine Familie, meine Freunde und das ganze Volk altert um einiges schneller als ich.“ Nun spannte er seine Flügel und begann mit ihnen zu schlagen – erst langsam, dann immer schneller, bis er schließlich abhob und aus dem kleinen Wäldchen herausschoss. Er drehte wie jeden Tag seine Kreise und spürte wieder einmal, dass seine größte Leidenschaft, das Fliegen, ihm mit jedem Tag weniger Trost spendete. Er machte sich auf den Weg zum Schloss Drachenhorst. Er war ein Drache und ihm sollte das alles hier gehören!

[...]

 




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